Schreibblockaden & Tiefs im Autorenleben

Es gibt ein Sprichwort, das heißt: Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.
Klingt im ersten Moment einleuchtend – je mehr geschrieben wird, umso mehr Routine entwickelt sich dabei und man bekommt ein Gefühl für die richtigen Wörter. Und auch für jene, die getrost weggelassen werden können. Die Sätze gehen leichter von der Hand und der Fortschritt motiviert.
Bei mir entsteht dann aber ein sehr unerwünschtes Phänomen: Gleichzeitig mit diesem Hoch baut sich ein Druck auf, wenn es Tage gibt, an denen ich weniger oder sogar gar nicht schreiben kann.
Ich habe dann das Gefühl, dass ich oft dieselben Wörter verwende und der Text einfach nicht aussagekräftig genug ist.
Noch schlimmer wird es, wenn der Abgabetermin näher rückt und ständig der Gedanke im Hinterkopf umherschwirrt: ich MUSS schreiben.
Es gibt sicher Ausnahmen, aber bei vielen ist das der Beginn des Elends. Das Tief kommt mit schnellen Schritten näher.
Ich bin da ein Paradebeispiel.
Schreibblockaden erleben nicht nur wir Autoren – jeder, der etwas mit Texten zu tun hat, seien es Schüler, Studenten oder Journalisten, kann irgendwann selbst davon betroffen sein.

Ich habe das bis jetzt bei jedem Buch zumindest einmal erlebt. Es gibt Tage, an denen ich zehntausend Wörter schaffe, die Finger fliegen über die Tastatur, die Ideen sprießen.
Und irgendwann kommt dann dieses Tief. Es kündigt sich nicht an, es ist einfach da.
Ich sitze vor einem leeren Schreibdokument, die Finger bereits auf der Tastatur, aber es kommt nichts. Je länger ich mich darauf konzentriere, umso mehr Buchstabensalat entsteht im Kopf – kein Satz scheint mehr einen Sinn zu ergeben, die Handlung ist plötzlich nicht mehr logisch und ich habe das Gefühl, immer dasselbe schreiben zu wollen.
Es fehlt die Struktur.
Ich werde unruhig, entwickele mich zu einem launischen Nervenbündel und frage mich ständig, was zur Hölle gerade schief läuft. Je mehr ich mich hineinsteigere, umso schlimmer wird es. Bis mich zum Schluss sogar schon meine verschmuste Katze meidet und mein Mann freiwillig den Müll rausträgt.
Ich vergleiche Schreibblockaden gern mit energieraubenden Mimimi-Menschen : kommen immer dann, wenn man sie am wenigsten braucht und verstehen es darauf, einen runterzuziehen.

Und jetzt zum Positiven: man kann das eine und das andere loswerden.

Je öfter ich eine Schreibblockade hatte, umso weniger streng bin ich mit mir selbst umgegangen. Zuerst wollte ich mich immer zum Schreiben zwingen, bis ich endlich eingesehen habe, dass das nicht der richtige Weg für mich ist.
Ich habe alles zur Seite gepackt – Skizzen, Kritzelheftchen und den Laptop. Das ist mir anfangs unheimlich schwer gefallen. Aber mittlerweile immer mein erster Schritt.
Meine besten fünf Tipps, die ich euch weitergeben kann:

1. alles, was mit dem Buch zu tun hat – WEG! raus aus eurem Blickfeld. Geht euren Hobbies nach, trefft euch mit Freunden oder tanzt eine Nacht lang durch – macht etwas, bei dem ihr abschalten könnt. Euer Hirn braucht eine Pause – gönnt sie euch.

2. Nicht immer stur geradeaus schreiben. Wenn ihr euch wieder beruhigt und das Gefühl habt, es könnte was gehen, dann versucht mal, klein anzufangen. Ihr müsst nicht immer stur an einem Kapitel weiterschreiben, das euch seit Tagen oder Wochen aufhält – beginnt irgendwo mittendrin. Warum muss man immer einer sturen Linie nachgehen? Der Text ergibt sich aus mehreren Einzelteilen, die man auch zum Schluss zusammenfügen kann.

3. Weg mit Störfaktoren. Ich kenne das selbst – das Smartphone ist neben mir, der heiße Nachbar von nebenan sonnt sich auf der Liege, die Facebookgruppe sendet drölftausende Nachrichten. Alles Dinge, die ablenken. Ab in einen ungestörten Raum, in dem euch nichts ablenkt. Konzentriert euch auf euren Text, gebt euch von mir aus einen Zeitrahmen vor (z.B.: heute schreibe ich von 15-16 Uhr).

4. Eine tolle Methode, die ich gerne nutze, ist das Freewriting. Ich stelle mir eine Stoppuhr auf 5-10 Minuten, nehme ein Blatt Papier zu Hand und schreibe mir alles auf, was mir gerade der Sinn kommt. Der Nachbar ist ein nerviger Sack. Ich verstehe es einfach nicht, wie man den ganzen Tag einen solchen Schrott hören kann, den er Musik nennt. Und seine schreienden Kinder erst. Haben die keine Erziehung genossen? Was ist mit der heutigen Jugend los? etc… Damit läuft nicht nur euer Hirn „warm“, so ein spontanes, ungezwungenes Schreiben kann auch dabei helfen, dass sich der Knoten löst und man sich nach einer gewissen Zeit: Hey, ich kann es ja!

5. Erlaubt euch, schwach zu sein. Nichts stresst mehr als der ständige Druck, etwas abliefern zu müssen. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit glauben wir, immer funktionieren zu müssen. Das ist falsch. Wir sind nur Menschen, wir machen Fehler und wir sind vor allem nicht perfekt. Eine Schreibblockade kann auch ein STOPP-Zeichen des Körpers sein – es ist jetzt genug, lass mich in Frieden. Nehmt eine Schreibblockade nicht als euren Feind, sondern eine Chance, wieder etwas nur für euch selbst tun zu können. Etwas, woran ihr Freude habt und was euch auf andere Gedanken bringt.

Text: Jo D. Shannon

Bild: Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.