Plotten

Plotte ich? Ja/nein …warum?

Stell dir vor du schreibst eine Geschichte. Du kannst dich entscheiden, ob du im Voraus alles durchplanst oder es auf dich zukommen lässt…für was würdest du dich entscheiden?

Ich für meinen Teil, als hyperorganisierte Planungstante, brauche meinen Plot. Ich finde es wichtig, damit meiner Geschichte eine Richtung zu geben.

Ein Beispiel:

J.K. Rowling hat mit Harry Potter nicht nur eine unfassbar tolle Buchreihe geschrieben, nein, sie hat damit auch eine sehr klar durchgeplante Welt abgeliefert. Was gar nicht so viele wissen:

Sie hat stets (zumindest bevor sie so erfolgreich wurde und jeder ihr Gesicht kannte) in einem kleinen und unscheinbaren Café geschrieben und GEPLOTTET. Die Geschichte rund um Harry und den, dessen Name nicht genannt werden darf, ist in ihrer Handlung so komplex, dass es notwendig ist, all das zu organisieren. Wer ist der Hauptcharakter? Wo spielt die Handlung? Wie will ich alles beschreiben? Habe ich schon genaue Vorstellungen? All das sollte berücksichtigt werden.

Denn gerade bei Reihen sollte man stets vor Augen haben, wie das Ende aussehen soll. Schließlich kann man es nur so schaffen, dass die Handlung am Ende auch Sinn ergibt.

Stellt euch vor, J.K. Rowling hätte die einzelnen Schuljahre nicht durchgeplant…ich bin mir sicher, dass sie irgendwann den Überblick verloren hätte, denn die einzelnen Handlungsstränge müssen miteinander verknüpft werden. Es muss am Ende (Achtung Spoiler), deutlich werden, dass Professor Snape Harry nicht leiden konnte, weil Snape in Harrys Mutter verliebt war und Harry eigentlich sein eigener Sohn hätte sein können, wenn es nicht anders gelaufen wäre.

Denn dann ergeben plötzlich so viele Situationen und Momente in der Geschichte Sinn und das ist wichtig!

Der Leser sollte am Ende keine Fragen mehr an die Geschichte haben – zumindest keine, die für die Handlung des Buches ausschlaggebend sind.

Deshalb ist das Plotten auch so wichtig, denn es hilft euch, den Überblick über eure Geschichte zu behalten. Es hilft euch, eine Struktur hineinzubringen und stets wieder zu wissen, wie es weitergehen soll.

Aber auch wer nicht plottet, hat Vorteile! Hat man bereits die Handlung komplett im Kopf, dann schreibt man meist die Handlung auch genau so nieder. Doch was, wenn einem mitten im Schreibprozess eine zündende Idee kommt, die für die Geschichte nochmal das kleine „i“-Tüpfelchen ist?

Ja, in dem Fall muss man meist alles umschreiben und das kostet eine Menge Zeit, Nerven und erneute Planung.

Wer nicht plottet hat den großen Vorteil, dass jeder neue Einfall während des Schreibens für die Geschichte nochmal etwas mehr „Abenteuer“ bedeutet und kein Umschreiben der Geschichte erfordert, denn man arbeitet immer so, wie es die Einfälle gerade zulassen.

Doch leider ist man dann darauf angewiesen, dass einem möglichst zeitnah die neuen Einfälle für den weiteren Verlauf der Geschichte kommen.

Zudem sollte man immer versuchen, den Überblick zu behalten, denn wie schon am Beispiel von Harry Potter erklärt, wird die Geschichte mit fortlaufender Handlung immer komplexer und gerade, wenn man mehrere Handlungsstränge hat, muss man schließlich andere Wege finden, um sich nicht zu verzetteln. Denn wenn das passiert, benötigt man im Nachhinein deutlich mehr Zeit zur Überarbeitung der Geschichte.

Mein Tipp hierbei: Die Mischung macht es! Versucht doch erstmal, eurer Geschichte ein Grundgerüst zu geben. Wer sind die Protagonisten? Wo spielt die Geschichte? Wie ist der grobe Handlungsverlauf?

Wenn ihr diese Fragen geklärt habt, dann solltet ihr eine Liste mit weiteren Vorschlägen für den Verlauf der Handlung machen. Je nachdem, wie gut ihr beim Schreiben vorankommt, werdet ihr ja merken, ob sich die Ideen noch in die Geschichte einbauen lassen.

Wenn euch dann spontan eine Idee für die Handlung einfällt, dann macht euch ein paar Stichpunkte, damit es euch leichter fällt, die Geschichte am Ende umzuschreiben. Welche Protagonisten werden von diesem Einfall beeinflusst? Welche Möglichkeiten habe ich, die Handlung weich in den Einfall übergehen zu lassen? Welchen Einfluss hat der Einfall auf das Ende meiner Geschichte?

Ich für meinen Teil plane alles durch und komme mittlerweile auch sehr gut mit den spontanen Einfällen zurecht. Am Ende muss aber jeder für sich seinen Weg finden. Ob ihr plottet oder nicht – am Ende ist wichtig, wie die Geschichte auf den Leser wirkt und beide Varianten können eine tolle Geschichte hervorbringen. Findet euren Weg und probiert euch auch mal aus.

Ich wünsche euch dabei viel Erfolg! 🙂

Text: L.J. Pyka

Bild: Pixabay