Wie erschaffe ich authentische Charaktere?

Beim letzten Blogpost ging es um die Planung einer Geschichte … das Plotten.

Die einen planen alles bis ins letzte Detail und dann gibt es noch Kandidaten wie mich, die den roten Faden haben und wissen, wohin sie wollen, sich aber ansonsten von der Geschichte leiten lassen. Was ich beim Plotten zu wenig habe, habe ich dafür umso mehr bei der Erschaffung meiner Charaktere. Da zählt jedes noch so kleine Merkmal.

Eine spannende Geschichte und ein guter Schreibstil reichen in meinen Augen einfach nicht aus. Beispiel: Die junge Protagonistin in einem Fantasy-Roman hat ihr Leben lang ein normales Leben geführt und erfährt plötzlich, dass das Schicksal der Menschheit in ihren Händen liegt. Versetzt euch mal in die Lage eines Teenagers, dessen Welt komplett auf den Kopf gestellt wird. Ob taff oder nicht – 2 Tage und ein potentieller Love Interest reichen nicht aus, um darauf klarzukommen.  Das ist meiner Meinung nach selbst bei Fantasy nicht authentisch.

Ich persönlich habe nur zwei Zutaten, um authentische Charaktere zu erschaffen – Empathie und Zeit.

Klar, bei Fantasy, Sci Fi oder Dystopien ist es schwierig, sich genau in die Lage der Charaktere zu versetzen, weil man selbst noch nie in der Situation gewesen ist. Liebeskummer hingegen hatte fast schon jeder.

Trotzdem ist es wichtig, sich immer vor Augen zu halten, wie man selbst eine bestimmte Situation wahrnehmen würde. Bindet euch mit in die Geschichte ein, seht euch als zusätzlichen Charakter an, denn nur wenn ihr mittendrin seid, könnt ihr auch das Ausmaß der Situation „richtig“ einschätzen. Wenn das erst getan ist, sollte folgende Frage folgen: „Wie würde ein Charakter wie XY in solch einer Situation reagieren?“

Beispiel: Ihr habt eine schüchterne, introvertierte Protagonistin, die es bevorzugt, bloß keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wie würde solch ein Charakter reagieren, wenn ihr Schwarm sie auf dem Schulhof mit einem Kuss überrumpelt?

Ja, ihre kühnsten Träume erfüllen sich zwar in diesem Moment, aber vergesst nicht – sie ist schüchtern. Wäre es jetzt nicht etwas unrealistisch, wenn sie diesen Kuss erwidert?

Keep that in mind, meine Lieben!

Im Laufe der Zeit ist die Frage „Passt diese Reaktion zu meinem Charakter?“ wie eine Routine für mich beim Schreiben geworden und hilft mir enorm – egal in welchem Genre ich schreibe.

Zeit ist ein ebenso wichtiger Faktor wie die Empathie für einen Buchcharakter. Das beste Beispiel bietet uns die Protagonistin, deren Eltern erst vor kurzem gestorben sind.

Ein sehr schwieriges Thema, denn man selbst möchte sich das nicht vorstellen. Sollte man aber. Bitte setzt euch mit den Problemen eurer Protagonisten, Antagonisten und selbst Nebencharakteren auseinander.
Um sowas wie einen Tod zu verarbeiten (wenn man das überhaupt kann) braucht man sehr viel Zeit. Gebt euren Charakteren diese Zeit! Natürlich möchten die Wenigsten einen Fantasy-Roman lesen, in dem 300 Seiten nur getrauert und geweint wird, aber wenn der Charakter bereits beim ersten Anblick seines Love Interest den Tod der Eltern vergisst … well, auch das ist nicht authentisch.

Schicksalsschläge prägen Menschen, sprich lasst den Leser hin und wieder mal spüren, dass eine bestimmte Situation tatsächlich etwas in dem Charakter ausgewirkt hat. Rückblicke, Träume und Gedanken helfen hierbei sehr.

Was ich außerdem noch tue, ist sehr, sehr viel recherchieren. Wenn ich zum Beispiel über einen Alkoholiker schreibe, setze ich mich mit der Thematik auseinander, anstatt mich an Klischees zu bedienen. Ein kleiner Tipp von mir – erstellt euch doch eine Tabelle, in der ihr die Charaktere und ihre Eigenschaften aufzeichnet. Dort könnt ihr dann ja auch äußerliche Merkmale hinzufügen.

Nehmt euch die Zeit für eure Charaktere – glaubt mir, die Leser werden es euch danken 🙂

Zum Schluss möchte ich noch eins erwähnen – ich bin der Meinung, dass die Sympathie zu einem Buchcharakter nichts mit der Authentizität zu tun hat, sprich „Ich muss den Charakter nicht mögen, um das Buch zu mögen“.  Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Text: Tracy Kae

Bild: Pixabay

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