Wonach kaufe ich meine Bücher? Ist ein schönes Cover – oder der Klappentext ausschlaggebend?

Hand aufs Herz. Wie gerne würde ich diese Frage mit „Natürlich ist der Klappentext ausschlaggebend! Tse! Was für eine Frage! Ich lasse mich doch nicht von einem hübschen Coverdesign zum Kauf verleiten! Wo kämen wir denn dahin?“ beantworten.

Tja. Ich bin aber leider – vor allem diesbezüglich – leicht zu beeinflussen. Doch glücklicherweise nicht vollständig. Ein hübsches Coverdesign sorgt für Aufmerksamkeit. Das ist klar. Oder sagen wir mal, ein auffälliges Coverdesign sorgt für Aufmerksamkeit. Die Definition von ‚hübsch‘ ist ja schließlich ein weites Feld. Ich persönlich stehe zum Beispiel total auf die sogenannten ‚überladenen‘ Designs. Je kitschiger desto besser. Ich mag das. Da geht mein kleines Herz auf. Andere wiederum können das gar nicht leiden. So hat jeder Leser seinen individuellen Geschmack.

Aber wir können uns, meine ich, einig sein, dass wenn derzeit gefeierte Romane das Design eines „Reclam“-Heftes hätten, wären wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der Käufer auf eines dieser Bücher aufmerksam geworden.

Wichtig ist natürlich, dass mit dem Coverdesign auch dem aktuellen Trend entsprochen wird. Finden wir Bücher, die wir vor etwa zehn Jahren als durchaus ansehnlich bezeichneten, immer noch hübsch? Ich weiß ja nicht. Ich muss gerade daran denken, dass vor ein paar Jahren auf ‚bestimmten‘ Romanen aus irgendeinem Grund ein nackter Männeroberkörper mit einem Tribal-Tattoo auf dem Coverdesign sein musste, unabhängig von Autor/in und Verlag. Und zwar nur hier in Deutschland. Das (in der Regel amerikanische) Original sah häufig ganz anders aus.

Ja. Es geht also um Aufmerksamkeit. Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde, aber ich habe das Gefühl, dass Bücher in den letzten Jahren auch zu einem Deko-Objekt geworden sind. Das ist zumindest bei mir der Fall. Und ich stehe dazu. Meine schönsten Bücher haben einen Platz im Regal, wo sie auch jeder sehen kann. Die Bücher mit den nackten Männeroberkörpern und Tribal-Tattoos stehen zumeist in zweiter Reihe. Dabei mache ich auch keinen Unterschied mehr, ob ich die Bücher gut fand oder nicht. Wenn ich die Coverdesigns nicht (mehr) mag, kommen sie nach hinten. Das Gleiche gilt bei mir übrigens für unterschiedliche Größen. Beispielsweise gibt es da eine gewisse Vampirroman-Reihe. Den ersten Band kaufte ich als Taschenbuch und die darauffolgenden drei Bücher als Hardcover. Geht gar nicht. Aber aus Gründen habe ich keine Lust mir den ersten Band auch noch einmal als Hardcover zu kaufen. Was ich bei anderen Büchern übrigens durchaus erwägen würde.

Ich bekenne mich also freiwillig als Coverkaufsüchtige. Aber es ist glücklicherweise nur halb so schlimm wie es klingt. Ich sehe also ein (nach meiner Definition) wunderschönes Coverdesign. Ich werde ganz wuschig, mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) – ein sehr geselliger Charakter – freut sich wie ein kleines Kind … und dann sehe ich den Preis des Buches: Okay. Erst einmal den Klappentext lesen. So läuft es bei mir ab. Wo ich dann schon etwas nachdenklich werde ist, wenn es um ein 17jähriges unscheinbares Mädel geht, das den Bad Boy der Schule kennenlernt und herausfindet, dass nicht nur der Bad Boy etwas ganz Besonderes (und natürlich in sie verliebt) ist, sondern auch sie selbst. Schachtelsatz. Kann ich. Ach so. Und natürlich ist da noch der beste Freund der 17jährigen, der ebenfalls heimlich in sie verliebt ist. Ich nehme übrigens nicht Abstand von diesen Geschichten, weil ich sie doof finde, sondern weil ich mit meinen 33 Jahren – ähem – 25 Jahren irgendwie einfach zu alt geworden bin, glaube ich. Und da mir die finanziellen Mittel nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, kaufe ich das Buch wirklich nicht. Selbst wenn es mir das Herz bricht, weil das Coverdesign so (!) wunderschön (!) ist. Kritisch wird es wieder, wenn eben jenes Buch als Mängelexemplar zu bekommen ist. Da muss ich manchmal schon ein bisschen schlucken. Aber inzwischen habe ich mich (wieder) ganz gut unter Kontrolle. Mal ganz ehrlich. Selbst wenn das Coverdesign mir noch so sehr ins Auge springt. Das arme Buch würde bei mir nur als SuB-Leiche enden und irgendwann würde ich es aussortieren und in eine Bücherbox stecken, damit wenigstens ein anderer noch was davon hat.

Das ist der Idealfall. Denn ich werde jetzt bestimmt nicht zugeben, dass ich in Besitz einer gewissen Trilogie bin, deren ersten Band ich nun schon zweimal abgebrochen habe, weil mir die Prota einfach vollkommen unsympathisch ist. Ich werde auch nicht zugeben, dass ich mich von dieser Trilogie einfach nicht trennen kann, weil die Seitenzahlen pinkfarben sind und die Bücher einfach so wunderschön sind und dass ich sie zuweilen aus dem Regal hole und ihnen sage, wie lieb ich sie habe … Hach. Nein. So etwas würde mir niemals passieren. Und so etwas werde ich auch niemals zugeben. Nein. Ich habe mich nämlich unter Kontrolle.

Text: Elica Freudenreich

One thought on “Wonach kaufe ich meine Bücher? Ist ein schönes Cover – oder der Klappentext ausschlaggebend?

  1. Jacqueline says:

    Du sprichst mir so aus der Seele, Elica! Das Cover bestimmt nun mal den ersten Eindruck und entscheidet darüber, ob ich das Buch in die Hand nehme oder nicht. Es ist wie mit Menschen, die ersten 10 Sekunden sind ausschlaggebend 😀
    Wenn mich der Klappentext auch noch anspricht, dann muss ich es haben 🙂 Tut er das leider nicht, lege ich das Buch wehmütig wieder zurück und schleiche noch eine Weile darum herum, auch wenn ich es nicht kaufe.
    Bei nicht so schönen Covern fällt es mir auch sehr schwer, das Buch zu kaufen. Selbst wenn es mir jemand empfiehlt. Dabei bin ich sonst auch jemand, für den die inneren Werte zählen …

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