Schreiben im Alltag – wann, wo und vor allem wie?

Seit ich als Autorin tätig bin, ist eine der häufigsten Fragen, die ich gestellt bekomme: „Laura, wann zur Hölle schreibst du und wie kombinierst du das mit deinem Alltag?“

Es ist eine Frage, deren Hintergrund ich nur zu gut nachvollziehen kann. Denn in der Regel können nur wenige Menschen von der Schreiberei leben, was bedeutet, dass man eben hier und da noch einem Brotjob nachgeht, eventuell Partner und auch Kinder hat und somit eben auch noch viele weitere Aufgaben nebenher erledigen muss, sodass man schnell das Gefühl hat, für nichts anderes mehr Zeit zu haben. Wo also soll man da dann noch das Schreiben unterbringen?

Für mich ist das mittlerweile ziemlich leicht, denn ich bin nun mal leider ein Planungsfreak. Spontanität ist leider von Natur aus so gar nicht meins und ich weiß quasi genau, was ich wann machen möchte.

Klingt blöd? Es erleichtert allerdings so einiges! Damit ihr das besser verstehen könnt, gebe ich euch hier mal einen Einblick in meinen ganz persönlichen Alltag:

Ich selbst habe parallel zu meinem Studium mit dem Schreiben und Veröffentlichen begonnen. Das war am Anfang noch relativ entspannt, denn niemand wusste etwas von mir und somit gab es auch keine Nachfragen nach kommenden Projekten, geschweige denn, dass ich das Gefühl hatte, jemand würde meine Bücher kaufen wollen. Zu dem Zeitpunkt, das war vor ungefähr zwei Jahren, habe ich jeden Nachmittag geschrieben, nachdem ich die Hausaufgaben für die Uni fertig hatte. Ich brauchte das Schreiben als Erholung vom Uni-Stress und bin so unglaublich gut runtergekommen. Wenn es dann noch spätabends war, dann habe ich mich ins Bett gelegt und noch gelesen. Das war sozusagen der Anfang und für mich ein guter Einstieg, denn so konnte ich mich langsam daran gewöhnen, das Schreiben zu einer dauerhaften Tätigkeit zu machen. Doch wie das so ist, wenn man studiert, möchte man natürlich auch noch Erfahrungen sammeln, die einem nach der Zeit an der Universität beruflich weiterhelfen und so habe ich mich dazu entschieden, einem Studentenjob nachzugehen. Das war anfangs auch noch einfach, weil ich da Texte für Unternehmen geschrieben und so von zuhause aus arbeiten konnte. Doch nach und nach habe ich quasi „meinen“ Weg gefunden und einen Job an der Uni angenommen – mit fester Stundenanzahl und dementsprechend höheren Anforderungen. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Schreiberei schon einen ernsthafteren Punkt angenommen und nur kurz nach meinem Start in diesen (das ist auch noch mein aktueller Nebenjob) Job an der Uni, wurde ich bei den Verlagen angenommen. So wuchsen in gefühlt allen Lebensbereichen die Anforderungen an mich und der Druck wurde größer. Das verlangt nach deutlich mehr Organisation, denn jetzt hat man auch Abgabetermine und die gilt es einzuhalten.

Nach der Uni gehe ich also arbeiten, für zwei, drei Stunden, danach geht es ab nach Hause und ich erledige alle Hausaufgaben. Dann muss ich etwas entspannen und lege mich noch in die Badewanne (ich erwähne das, weil es nach einem so langen Tag wirklich, wirklich ein tolles Gefühl ist :D) und danach ist es meistens schon gegen acht oder neun Uhr abends. Da mein Freund einem festen Job nachgeht, schauen wir dann noch zusammen einen Film und wenn er dann schläft, dann beginnt  mein Autorenjob. Selten gehe ich dann vor ein- oder zwei Uhr nachts ins Bett – zumindest nicht, wenn keine Prüfungen oder Vorträge anstehen. An den Wochenenden ist es etwas angenehmer, denn am Samstag bin ich IMMER mit meinem Freund unterwegs. Da haben wir beide mal „frei“ und nehmen uns die Zeit für uns und unsere Freunde. Aber während er meist am Sonntag auch noch entspannt, sitze ich schon wieder an anderen Sachen. Blogartikeln, Hausaufgaben, Vorträge oder Buchprojekte – was eben gerade so anfällt.
Das kann natürlich alles wahnsinnig stressig sein und natürlich kommen dann auch noch Prüfungen. In dieser Zeit schraube ich das Schreiben wirklich runter und kümmere mich nur um die Uni – denn, und das habe ich mir von Anfang an geschworen, ich würde nur so lange Bücher veröffentlichen, wie nichts anderes darunter leidet. Und Uni geht immer vor J

So beginnt mein Tag meist gegen acht oder neun und endet nachts um eins oder zwei. Ja, es ist wirklich anstrengend und kräftezehrend, aber was soll ich machen? Ich liebe das, was ich jeden Tag mache. Ich liebe die Uni, die Arbeit und das Schreiben. Da opfere ich mich gerne für auf und tatsächlich habe ich gar nicht das Gefühl, so wahnsinnig viel zu arbeiten.

Momentan ist bei mir jedoch alles etwas eingeschränkt, denn ich sitze gerade an meiner Bachelorarbeit und während ich euch diese Zeilen schreibe, plane ich im Hintergrund schon die kommende Woche. 😛

Doch warum erzähle ich euch das eigentlich alles?

Nun ja, weil ich euch zeigen will, das alles geht, wenn man will. Natürlich kann man das Schreiben in seinen Alltag integrieren. Man muss nur bereit sein, ein paar andere Dinge eventuell hinten anzustellen und natürlich muss auch das Umfeld bereit dazu sein, mitzuspielen. Denn würde ich nicht schreiben, meine Facebookseite betreuen und mich noch um weitere Schreib-Dinge kümmern – ich hätte jeden Tag locker 4-5 h mehr Zeit zur Verfügung und die könnte ich durchaus anders nutzen.  Ich könnte noch mehr mit meinem Freund unternehmen (obwohl wir zusammenwohnen und ich glaube, dass er manchmal ganz froh ist, wenn ich mich mal für ein paar Stunden ins Arbeitszimmer verkrieche :D, PS: Als ich ihm das laut vorgelesen habe, hat er laut gelacht :D) oder ich könnte meine beste Freundin noch öfter sehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Schreiben so sehr brauche, dass mir diese Planung und Organisation meines Alltages so leicht fällt, trotzdem möchte ich an dieser Stelle eines erwähnen: Ich könnte diesen ganzen Alltagsstress niemals bewältigen, wenn ich das alles nicht so sehr wollen würde.

Deshalb hier mein erster Tipp an euch: Stellt euch selbst die Frage, wie ernst ihr dieser Beschäftigung nachgehen wollt! Schreibt ihr aus Spaß oder weil ihr das Ganze zu einer ernsthafteren Tätigkeit ausbauen wollt? Je nachdem wie wichtig euch das Schreiben ist und was ihr damit erreichen wollt – dementsprechend könnt ihr euch organisieren. Manchen Leuten reicht es schon, wenn sie mal eine halbe Stunde lang schreiben können, andere brauchen mehr Zeit.

Schreiben ist eine zeitintensive Arbeit – bin ich bereit, diese Zeit zu investieren und wenn ja, in welchem Maß? Das ist der nächste Punkt, über den ihr nachdenken solltet. Wenn ihr Kinder habt und einen festen Job und dazu noch einen Partner und andere Hobbies , dann überlegt euch, ob ihr das Schreiben wirklich integrieren wollt und vor allem WIE das zu organisieren ist? Schreibt ihr dann, wenn Mann/Frau und Kind/er im Bett sind? Dann müsst ihr vielleicht etwas Schlaf opfern, habt aber nicht das Gefühl, jemanden aus eurem Umfeld zu vernachlässigen. Falls ihr noch keine Familie habt und alleinstehend seid, dann habt ihr aber vielleicht andere Dinge, die euch sehr fordern – beispielsweise, wenn ihr auf der Arbeit oft und gerne Überstunden macht und/oder euch danach abends oft noch mit Freunden trefft. Auch hier könntet ihr darüber nachdenken, nachts etwas zu schreiben. Aber auch das Wochenende kann eine Alternative sein – egal, welche Lebensumstände ihr habt. Am Wochenende gibt es in der Regel nicht soooo viele Dinge, die ihr erledigen müsst. Arbeit fällt (in den meisten Fällen) an diesen beiden Tagen weg, allerdings fallen Sachen wie Haushalt und Freunde treffen oder etwas mit der Familie zu unternehmen an. Deshalb hier ein weiterer Vorschlag von mir: Nutzt doch den Samstag für all eure Hobbies, für die Entspannung und all die Dinge, bei denen ihr euch erholen könnt! Und am Sonntag könntet ihr beispielsweise Dinge im Haushalt erledigen und dann den Abend mit dem Schreiben ausklingen lassen. So oder so könnt ihr auch schauen, welche „Lücken“ es in eurem Alltag gibt. Habt ihr auf der Arbeit eine längere Pause, die ihr nutzen könnt, um eventuell ein paar Sätze zu schreiben? Oder vielleicht könnt ihr euch in die Badewanne legen und dann (wie ich das manchmal mache) eure Geschichte am Handy weiterschreiben?

So oder so, wenn ihr euren Alltag um das Schreiben erweitern wollt, dann wird das früher oder später auch mal von euren Mitmenschen bemerkt und angesprochen. Deshalb: Sprecht mit den Menschen in eurem Umfeld! Gerade, wenn man Familie hat, dann bedeutet ein zeitintensives Hobby oft, dass an anderer Stelle eben zurückgesteckt werden muss. Sprecht mit eurem Partner, euren Kindern und Freunden. Sie dürfen ruhig wissen, dass ihr schreibt und dass euch dieses Hobby wichtig ist. Wenn sie euch lieben und für euch da sind, dann sollte es kein Problem sein, gemeinsam zu schauen, dass ihr eurem Hobby nachgehen könnt, ohne andere zu vernachlässigen. Vielleicht kann man da auch Kompromisse finden?

Zum Schluss gibt es von mir noch einen letzten Ratschlag: Macht in eurem Leben mehr Dinge, die ihr liebt! So bemerkt ihr gar nicht, wie viel ihr arbeitet, denn es wird euch nicht wie Arbeit vorkommen! Ich liebe meinen  Alltag, aber wenn ich meine ganzen „Jobs“ nicht so mögen würde – ich hätte bestimmt schon die Krise gekriegt. Deshalb baut Dinge in euren Alltag ein, die euch runterbringen, glücklich machen und euch eine gewisse Leichtigkeit vermitteln – und wenn das Schreiben so etwas ist, dann ist das perfekt. Nehmt euch auch mal Zeit für euch und genießt das, was ihr gerne tut. Aber vergesst bei all dem nicht, dass ihr keine Maschine seid (Tim Bendzko hat da leider recht ;P) Auch ich muss mich immer wieder daran erinnern, nicht zu viel zu machen und mir Ruhepausen zu gönnen.

Also übernehmt euch nicht, ja?

Denn dann werdet ihr am Schreiben im Alltag auch noch ganz lange Freude haben <3

Das zumindest wünsche ich euch :*

Text: L.-J. Pyka

Bild: Pixabay

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