Idee

Wie entscheide ich mich für eine Story? Und was spielt dabei eine Rolle?

Oft werde ich gefragt, woher ich die Geschichten nehme, die ich schreibe, während ich gleichermaßen immer wieder Vorschläge kriege, worüber ich denn schreiben sollte, ob es nun mein Genre ist oder nicht. Letzteres macht für mich nicht großartig Sinn, denn ich würde, vermutlich auch trotz anfänglicher Begeisterung, diese wahrscheinlich schlicht nicht lange genug beibehalten können, um das Buch zu beenden.
Den Ursprung meiner Ideen zu erklären, ist schwerer als gedacht. Ich versuche jedoch heute in Worte zu fassen, wie ein Buch bei mir seinen Anfang nimmt.
Es gibt zwei Faktoren, die mir normalerweise den Anstoß geben, mich für die Story zu entscheiden, die ich zu Papier bringen will. Entweder es ist ein Charakter, dessen Geschichte ich berichten will, oder da entsteht plötzlich eine Welt in meinem Kopf, in der Abenteuer geschehen, von denen ich einfach erzählen muss. Beides baut schließlich aufeinander auf.

Ist es der Charakter, der mir zunächst in den Sinn kommt, formt sich meist direkt schon das Setting, in dem er oder auch sie (ich schreibe gerne von starken Frauen, daher ist es bei mir üblicherweise eine Protagonstin) lebt.
Als Fantasyautorin sind mir da glücklicherweise keinerlei Grenzen gesetzt. Ich gebe zu, einer der Hauptgründe für die Wahl meines Genres… ich recherchiere ehrlich gesagt äußerst ungern über bestimmte örtliche Gegebenheiten. Der Ort ist variabel, ich kann ihn jeder Zeit anpassen und ergänzen, also konzentriere ich mich auf die Charakterisierung meiner Hauptdarsteller und was ihnen widerfährt.
Ein Verlauf entsteht, die Handlung, um die es gehen soll. Die Entwicklung, die im Laufe der Geschichte stattfindet. Ich spiele mich zur Schicksalsgöttin der Figuren auf, indem ich den Lebensfaden spinne, mit dem sie wohl oder übel zurechtkommen müssen. Man stelle sich mich dabei gerne fies grinsend vor, mir nachdenklich die Hände reibend.
In eben jenen Händen verspüre ich schließlich das Kribbeln, wenn ich merke, dass mich die Story packt. Wenn ich die Szenen vor meinem inneren Auge sehe und die Personen plötzlich greifbar wie Freunde werden, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Ja, nicht selten träume ich von ihnen, an mir hätte Freud wahrscheinlich echt Spaß gehabt…
Bleiben sie jedoch diffus und formlos, wandert der Grundgedanke ins Notizbuch. Nicht selten entstand dort schon aus den Ansätzen mehrerer Einfälle ein komplett neuer Geistesblitz.
Und wenn nicht, ist er dort in bester Gesellschaft zwischen all den unausgereiften Ideen und fühlt sich sicher wohl. Vielleicht muss er auch nur ein bisschen wachsen und reifen. Vielleicht muss auch ich das.

Ist es der Ort, der mir plötzlich in den Sinn kommt, wie vor nicht all zu langer Zeit, als ich mit dem Bus am botanischen Garten vorbei fuhr, stellen sich ein paar komplexere Fragen, wie etwa: Wie würde eine Gesellschaft in einem derartigen Umfeld existieren? Was sind die Probleme, die sich ihnen stellen könnten?
So beginnt der Entstehungsprozess für den Kernpunkt der Geschichte. Die Protagonisten tauchen erst dann auf.
Ein spannender Entwicklungsverlauf, denn er fordert mich mehr, lässt mich aber zugleich auch selbst teilhaben an der Entdeckung dieser Welt, die sich meinen Gedanken da plötzlich erschließt. Man merkt, auch wenn ich letztendlich die Fäden ziehe, so manches Mal habe ich nicht immer die volle Kontrolle. Oft genug übernehmen die Charaktere das Zepter. Ich erinnere dann später an diese Worte, wenn meine Leser mir mal etwas übel nehmen. Das lag dann alles außerhalb meiner Macht, klar?
Doch einen mehr oder minder groben Plan habe ich immer. Okay, ja, zugegeben, ich plotte ziemlich genau, auch wenn ich zigmal alles über den Haufen werfe.

Dies sind auch die ersten Stichpunkte, die ich festhalte, wenn ich beginne, die Idee zu archivieren. Denn in der Regel schlummert eine Geschichte bei mir erst einmal eine Weile in der Ideenkiste, meiner Ansammlung an Grundgerüsten und Planungen für die nächsten Jahre.
Hinter jedem Bildchen versteckt sich eine Beschreibung der Welt und Umgebung, eine kurze Charakterisierung der Protagonisten und schließlich kommt der grobe Plot. Ein roter Faden, der sich durch das Buch zieht.
Was geschieht? Was für ein Abenteuer erleben die Helden der Geschichte und wie kommen sie wieder heraus? Welche Steine legen sich ihnen in den Weg? Hier sammle ich alle Zutaten der Erzählung und was mir daran wichtig ist.

Zum Schluss schaue ich, ob die Geschichte alles hat, was sie so zum Mitreißen gebrauchen kann, wie beispielsweise Liebe, Hass (Feindbilder erschaffen bereitet mir inzwischen echt Freude, das sollte ich vielleicht auch mal meinem Psychiater stecken), einen so richtig schönen Aufreger, Spannung, den Höhepunkt an passender Stelle, eine Wendung hier, vielleicht noch ein bisschen Drama dort… gerne bringe ich an dieser Stelle noch Gesellschaftskritik ein. Moralische und ethische Werte, die ich meinen Lesern vermitteln möchte.
Und spätestens dann bin ich so in die Story verliebt, dass sie einfach raus muss.

Text: Johanna B. Becking

Bild: Pixabay